Doppelt gebeutelt: Migranten mit Behinderung
15.01.2007
Kein Job, Schulden und gesundheitliche Probleme: Für viele Migranten mit Behinderung gehören solche Belastungen zum Alltag. Hilfe zu finden ist schwer, denn es gibt nur wenige Anlaufstellen für Menschen, die schlecht Deutsch sprechen und sich im Dschungel der Behindertenangebote nicht auskennen. Das Zentrum für selbstbestimmtes Leben behinderter Menschen in Mainz (ZsL) kennt sich aber damit aus. Dort werden seit März 2004 Migranten mit Handicap von Ismail Sackan beraten. Der 26-Jährige ist selbst Türke und beinahe vollständig blind. REHACARE.de befragte ihn zu seiner Arbeit. REHACARE.de: Warum gibt es so wenige Anlaufstellen für Migranten mit Behinderung?
Ismail Sackan: Bislang wurde diesem augenscheinlich kleinen Personenkreis nicht viel Beachtung geschenkt. Dabei schätzen wir, dass jeder zehnte Migrant eine Behinderung hat. Auch im Bereich der Sozialarbeit wurden die Bedürfnisse von Migranten mit Behinderung erst ganz neu entdeckt. Folglich gibt es auch kaum Informationen dazu. Staatliche Anlaufstellen gibt es keine.
Ismail Sackan steht voll hinter dem
Projekt für behinderte Migranten © ZsL
Ismail Sackan: Wir haben Mittel der EU, der Stadt Mainz, des Bundes, Fördermittel der Bundesagentur für Arbeit und des Ministeriums für Arbeit, Soziales und Gesundheit Rheinland-Pfalz.
REHACARE.de: Wer kommt zu Ihrer Beratung?
Ismail Sackan: Die meisten Ratsuchenden, bislang rund 500, stammen aus dem türkisch-arabischen Kulturkreis und kommen aus dem Mainzer Umfeld. Sie sind zum größten Teil Arbeitsmigranten.
REHACARE.de: Welche Behinderungen haben die Leute?
Ismail Sackan: Im Normalfall haben sie körperliche Behinderungen, die sie im Laufe ihres Aufenthalts in Deutschland bekommen haben durch Unfälle, chronische Krankheiten und so weiter. Teilweise haben sie auch psychische Behinderungen, die als Folge von körperlichen Behinderungen dazukommen.
REHACARE.de: Wie werden Betroffene auf Sie aufmerksam?
Ismail Sackan: Die meisten Betroffenen waren vorher schon bei vielen Beratungsstellen. Aber die Angebote sind nur auf die Beratung von Migranten zum Ausländerrecht spezialisiert, aber nicht auf die Bestimmungen im Sozialgesetzbuch. Deshalb vermitteln sie Ratsuchende gerne an uns weiter. Dann bekomme ich zum Beispiel einen Anruf einer Beraterin der Arbeitsagentur, die mir einen Betroffenen vermittelt. Wir bekommen aber auch Anfragen von Migranten selbst. Doppelt gebeutelt: Migranten mit Behinderung -- REHACARE Messe
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