2011-07-28

Das Leben im Rollstuhl - Nord - DerWesten

Das Leben im Rollstuhl

Nord, 27.07.2011, Dennis Bechtel
Wie schwierig der Alltag für Behinderte ist, erfahren Jugendliche im Jugendzentrum Einstein in Neumühl. Von links: Dominik Lang, Boris Fabrycy und Danny Gierlich. Foto: Lars Fröhlich / WAZ FotoPool
Wie schwierig der Alltag für Behinderte ist, erfahren Jugendliche im Jugendzentrum Einstein in Neumühl. Von links: Dominik Lang, Boris Fabrycy und Danny Gierlich. Foto: Lars Fröhlich / WAZ FotoPool
Duisburg-Neumühl. Ein zu hoher Bordstein, eine schiefe Straße oder ein Eingang, der nur über eine Treppe zu erreichen ist: Für Rollstuhlfahrer offenbaren sich im Duisburger Straßenbild so manche Probleme, die einem gesunden Fußgänger überhaupt nicht bewusst sind.
Um Jugendliche zu sensibilisieren, bietet der Jugendtreff „Einstein“ an der Albert-Einstein-Straße in Neumühl allen Interessierten die Möglichkeit, beim Projekt „No Borders“ (Keine Grenzen), einmal in einem Rollstuhl durch den Stadtteil zu fahren und die Probleme Behinderter kennenzulernen.
Jugendzentrum Einstein
Auf Hilfe angewiesen
Der Verein „Ofju – Offene Jugendarbeit Neumühl“ wurde vor zehn Jahren gegründet. Seit 2008 gibt es das dazugehörige Jugendzentrum „Einstein“. In einem Container treffen sich bis zu 30 Kinder täglich und verbringen dort ihre Freizeit.
Beliebt bei den insgesamt rund 120 im Treff registrierten Jugendlichen sind besonders die verschiedenen Projekte, bei denen Fußball oder Basketball gespielt wird. Leider kann sich das Jugendzentrum auf Grund der geringen Zuschüsse aus der Kommune nicht mehr lange finanzieren. Um Spenden ans folgende Konto wird daher dringend gebeten: Offene Jugendhilfe Neumühl e.V., Kontonummer: 256171200, Bankleitzahl: 350 800 70.
Einer der Jugendlichen, die jetzt die ungewohnte Position im Rollstuhl einnahmen, ist der 16-jährige Boris Fabrycy. Weit kommt er allerdings nicht, bis er klagend feststellt, dass das Fahren anstrengend ist – wirklich anstrengend: „Meine Güte, was geht das in die Arme. Ich kann nicht mehr“, sagt er und sieht zu seinen Freunden, allesamt im Rolli unterwegs. „Komm, stell dich nicht so an“, hört man einen Kumpel, der ein paar Meter vor ihm fährt, rufen. Doch Fabrycy bleibt kurz stehen und holt erstmal tief Luft. Erst einmal Pause machen. Verschnaufen.
Was Fabrycy da allerdings noch nicht weiß – es wird nicht leichter werden. Nicht nur werden seine Arme immer zittriger, auch die Straße ist nicht für Rollifahrer gemacht. Hier liegt ein Ast, dort ein Stein und eben ist der Bürgersteig schon gar nicht. Das Vorankommen ist Schwerstarbeit. Auch den anderen Jungs, die sich auf den vier Rädern gerade noch spielend fortbewegten, stehen bald die ersten Schweißperlen auf der Stirn.
Dominik Lange (16) ist auch dabei. Er ist schon ein paar Mal gefahren, doch anstrengend ist es auch für ihn. Er hält an und zieht einen Zettel aus der Tasche, auf dem die Route ist, die sie abfahren sollen. „Ist es noch weit?“, wird er von einem der vier anderen Jugendlichen zwischen 12 und 16 gefragt - und antwortet lächelnd: „Ja Mann, wir sind doch gerade erst losgefahren.“
Im Grunde genommen ist der Weg einmal um den Block nicht weit, zu Fuß ein paar Minuten, doch über Stock und Stein im Rolli werden auch kurze Wege zu weiten Strecken. Auf der Alexstraße scheint es dann plötzlich gar nicht mehr weiterzugehen. Der Bürgersteig verläuft sich und wird zu einem holprigen Weg voller Kieselsteine. Die Jugendlichen brauchen all ihre Kraft, spielen mit dem Gedanken aufzustehen, bleiben aber sitzen.

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