2011-07-22

"Behindert in BaWü" fordert Mitsprache Betroffene sind unzufrieden mit Beauftragtem | Südwest Presse Online

"Behindert in BaWü" fordert Mitsprache

Stuttgart. Menschen mit Behinderung sind gegen den von der SPD vorgeschlagenen Behindertenbeauftragten. In einem offenen Brief fordern sie Mitsprache.
Dass Gerd Weimer Beauftragter für Menschen mit Behinderung werden soll, ist für diese "ein Schlag ins Gesicht oder besser noch ein Schlag ins Herz". Das schreiben Mitglieder des Runden Tisches "Behindert in BaWü" und des ASB-Zentrums für selbstbestimmtes Leben Stuttgart in einem offenen Brief an die grün-rote Landesregierung. Sie wünschen, dass die Stellenbesetzung nochmals überdacht wird.
Wie die SÜDWEST PRESSE am Dienstag berichtete, soll Weimer von Sozialministerin Katrin Altpeter (SPD) für das Ehrenamt vorgeschlagen worden sein. Der 62-jährige Tübinger war langjähriger SPD-Politiker und ist seit 2005 Landeschef des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes.
"Wir hätten uns gewünscht, dass jemand unabhängig von Partei und Wohltätigkeitsorganisation das Amt besetzt", sagt Britta Schade vom Zentrum für selbstbestimmtes Leben. Weimer sei jedoch in doppelter Hinsicht gebunden. Und er könne nie "so aus dem Herzen heraus in dem Amt agieren" wie ein Mensch mit Behinderung oder ein Angehöriger, der aus eigener Erfahrung wisse, mit welchen Barrieren Betroffene zu kämpfen haben.
"Als Frauenbeauftragten würde man auch keinen Mann hinsetzen und die Integrationsministerin hat selbst Migrationshintergrund", sagt Schade. "Das allein ist doch Grund genug, dass man uns für das Amt berücksichtigt - oder zumindest beachtet und in die Entscheidung einbezieht." Auch dass der Posten nur ehrenamtlich besetzt werden soll, zeige den Stellenwert der Vertretung behinderter Menschen.
Die Betroffenen hätten sich vom Regierungswechsel einen Wechsel in der Behindertenpolitik erhofft, heißt es im Brief. "Wir wissen, dass sich auch einige kompetente Personen für diesen Posten beworben haben." Erneut werde über ihre Köpfe hinweg entschieden. "Wo bleibt da der viel beschworene Wechsel zu einer Bürgergesellschaft?" lyb

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