2011-07-13

Mit dem Hund im Anhänger radelte Stefan Lemke zugunsten Behinderter nach Berlin - Tübingen - Schwäbisches Tagblatt Tübingen

Protestfahrt zum Bundestag

Mit dem Hund im Anhänger radelte Stefan Lemke zugunsten Behinderter nach Berlin


Fast 2000 Rad-Kilometer lagen hinter Stefan Lemke, als er vergangene Woche auf dem Rückweg in Tübingen Station machte. Der passionierte Radler aus der Ortenau fährt oft lange Strecken, doch dieses Mal hatte er eine Mission: Er protestierte mit seiner Tour zum Bundestag dagegen, Schwerbehinderte mit Hartz IV abzuspeisen.
Renate Angstmann-Koch
Stefan Lemke hat Kleidung und eine Campingausrüstung dabei – vor allem aber Wasser für Samy. ... Stefan Lemke hat Kleidung und eine Campingausrüstung dabei – vor allem aber Wasser für Samy. Bild: Angstmann-Koch
Tübingen. „Spendentour Protestfahrt“ steht auf dem Schild hinten an Stefan Lemkes Fahrradanhänger. Er hat ihn vor allem dabei, um seinen Hund zu transportieren. Samy ist 15 Jahre alt und kann keine langen Strecken mehr laufen. Aber er hilft Lemke, unterwegs Kontakte zu knüpfen. Das Schild ist wenig spektakulär, aber auffällig genug, um neugierige Fragen auszulösen und als Gesprächsaufhänger zu dienen: „Viele Leute wissen nicht, dass Schwerbehinderte von Hartz IV leben müssen. Die meisten sind bestürzt, wenn sie es erfahren.“
Er sei auf viel Aufgeschlossenheit und Solidarität gestoßen, berichtet Lemke. Der 45-Jährige entschloss sich aus Empörung über die Lage seiner Nachbarn, seinen Urlaub für die sechswöchige Fahrt nach Berlin zu opfern, um gegen die Lebensumstände von Menschen mit Behinderungen und ihren Angehörigen zu protestieren. Lemkes Nachbarin Kornelia Oschmann ist seit einem Autounfall vor zwölf Jahren querschnittsgelähmt und wird von ihrem Lebensgefährten Lothar Schwarz gepflegt – ein Vollzeitjob, aber ohne finanzielle Anerkennung. Beide sind ohne Arbeit und leben von Hartz IV. (..)
Die Idee zu der Protestfahrt entstand durch Stefan Krastel, einen Bekannten aus Kehl, der vor zwei Jahren zu Fuß nach Berlin zog, um dagegen zu protestieren, dass er sein gesamtes Vermögen verlor, weil er zuhause seine Mutter pflegte. (..)
Außerdem empfing ihn der behindertenpolitische Sprecher der Linken Ilja Seifert. Der Bundestagsabgeordnete tritt für bedarfsgerechte, einkommens- und vermögensunabhängige Assistenz- und Pflegeleistungen ein und beruft sich dabei auf die UN-Behindertenrechtskonvention. Er habe viele Verbündete gewonnen, sagte Stefan Lemke, als er auf dem Rückweg in die Ortenau in Tübingen Halt machte. Aber er hätte sich größere Aufmerksamkeit der Medien und der Politik für sein Anliegen gewünscht.

Info: Näheres unter


www.spendentour.blogspot.com

 

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