Protestfahrt zum Bundestag
Mit dem Hund im Anhänger radelte Stefan Lemke zugunsten Behinderter nach Berlin
Fast 2000 Rad-Kilometer lagen hinter Stefan Lemke, als er vergangene Woche auf dem Rückweg in Tübingen Station machte. Der passionierte Radler aus der Ortenau fährt oft lange Strecken, doch dieses Mal hatte er eine Mission: Er protestierte mit seiner Tour zum Bundestag dagegen, Schwerbehinderte mit Hartz IV abzuspeisen.
Renate Angstmann-Koch
Er sei auf viel Aufgeschlossenheit und Solidarität gestoßen, berichtet Lemke. Der 45-Jährige entschloss sich aus Empörung über die Lage seiner Nachbarn, seinen Urlaub für die sechswöchige Fahrt nach Berlin zu opfern, um gegen die Lebensumstände von Menschen mit Behinderungen und ihren Angehörigen zu protestieren. Lemkes Nachbarin Kornelia Oschmann ist seit einem Autounfall vor zwölf Jahren querschnittsgelähmt und wird von ihrem Lebensgefährten Lothar Schwarz gepflegt – ein Vollzeitjob, aber ohne finanzielle Anerkennung. Beide sind ohne Arbeit und leben von Hartz IV. (..)
Die Idee zu der Protestfahrt entstand durch Stefan Krastel, einen Bekannten aus Kehl, der vor zwei Jahren zu Fuß nach Berlin zog, um dagegen zu protestieren, dass er sein gesamtes Vermögen verlor, weil er zuhause seine Mutter pflegte. (..)
Außerdem empfing ihn der behindertenpolitische Sprecher der Linken Ilja Seifert. Der Bundestagsabgeordnete tritt für bedarfsgerechte, einkommens- und vermögensunabhängige Assistenz- und Pflegeleistungen ein und beruft sich dabei auf die UN-Behindertenrechtskonvention. Er habe viele Verbündete gewonnen, sagte Stefan Lemke, als er auf dem Rückweg in die Ortenau in Tübingen Halt machte. Aber er hätte sich größere Aufmerksamkeit der Medien und der Politik für sein Anliegen gewünscht.
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