2011-06-21

DBfK - - DBfK: Gute Pflege kann endlich sichtbar gemacht werden

DBfK: Gute Pflege kann endlich sichtbar gemacht werden!


Berlin, 20.06.2011

Der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe e.V. (DBfK) begrüßt, dass Bundesgesundheitsministerium und Bundesfamilienministerium nach geraumer Verzögerung den Abschlussbericht des Forschungsprojektes zur „Entwicklung und Erprobung von Instrumenten zur Pflegequalität in der stationären Altenhilfe“ veröffentlicht haben. „Mit dieser neuen und pflegewissenschaftlich abgesicherten Herangehensweise zur Bewertung von Pflegequalität wird der Fokus auf das messbare Pflegeergebnis gelenkt. So kann anstatt der Dokumentationsqualität die tatsächliche Versorgungsqualität erfasst werden!“ sagt DBfK-Referentin Claudia Pohl. „Der Verbraucher hätte die Möglichkeit, auf Grundlage einer soliden Datenbasis die Entscheidung für ein Pflegeheim zu treffen. Zudem erhielte die Qualitätssicherung die richtigen Impulse. Daneben würde ein fairer Wettbewerb der Pflegeeinrichtungen gewährleistet“, so Pohl weiter.

Aus Sicht des DBfK sollte in den nächsten Monaten ein Implementierungsprozess der indikatorengestützten Qualitätsberichterstattung vorangetrieben werden. Parallel ist ein vergleichbarer Prozess zur Darstellung von Pflegequalität im ambulanten und teilstationären Bereich zu veranlassen. Das alte und verfehlte System der Pflegetransparenzvereinbarungen weiter umzuarbeiten würde nach Auffassung des DBfK unnötig Ressourcen vergeuden.

Im Mittelpunkt der Ergebnisse des Projektes zur „Entwicklung und Erprobung von Instrumenten zur Beurteilung der Ergebnisqualität in der stationären Altenhilfe“ von Dr. Wingenfeld (Universität Bielefeld) und Dr. Engels (ISG Köln) stehen gesundheitsbezogene Indikatoren und Indikatoren zur Erfassung von Aspekten der Lebensqualität in stationären Pflegeeinrichtungen. Die Bewertung erfolgt über den Vergleich des Einrichtungsergebnisses mit dem Durchschnitt aller Einrichtungen, da Maßstäbe zur Abgrenzung von „guter“ und „schlechter“ Pflege nicht existieren. Dieser Benchmark ermöglicht es auch, Qualität in den Kontext der Rahmenbedingungen, den Politik und Kassen zu verantworten haben, zu stellen und damit transparent zu machen.

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"Die Frage nach dem Nutzen dieser aufwendigen Erhebung wurde von den Entwicklern selbst gestellt. Haupteffekt sehen diese in der Stärkung und Verbesserung des internen Qualitätsmanagements. Außerdem gehen sie davon aus, dass die Eigenverantwortung der Einrichtungen gestärkt würde, "gute Pflege" im Interesse des Bewohners zu schaffen.
Wie ich die Heimlandschaft kenne, befürchte ich, dass der erhoffte Anreiz zur tatsächlichen
Qualitätsverbesserung in der Fläche ausbleiben wird, weil die Mehrzahl der Heimbetreiber bestrebt sein werden, die Angaben in diesem Bewertungsverfahren so zu halten, dass sie unauffällig in der Masse der Durchschnittsheime schwimmen.  Da die allermeisten Daten von der Einrichtung selbst eingegeben werden müssen wird dass dann ähnlich laufen wie heute. Ehrliche Menschen dokumentieren Sachverhalte wahrheitsgemäß, vor allem solche die nichts zu verbergen haben.  Andere dokumentieren dass, was ihre Vorgesetzten lesen wollen und lassen anderes weg.  Beispiel Trinkprotokolle: Nimmt man die Trinkprotokolle müsste in Deutschland jeder Heimbewohner ausreichend zu trinken erhalten. Selbst die, die sichtbar
ausgetrocknet sind, weisen auf dem Papier eine ausgeglichene Bilanz auf.  Dekubitus und Gurtfixierung sind ebenfalls Themen die gerne verschwiegen werden. Immer wieder berichten uns Angehörige, dass sie erst sehr spät zufällig mitbekommen haben, dass die Mutter aufgelegen ist. Mitarbeiter spielen das runter, als sei dieses Druckgeschwür gerade erst entstanden, in der Doku steht nichts.  Oder Fixiergurte die nachts angelegt und morgens heimlich in den Schrank geräumt werden.  Es ist davon auszugehen, dass die 46 Einrichtungen die an der Erprobung dieses Systems mitgewirkt haben, zu den ehrlichen gehören, denen die sich aus eigenen Antrieb um Verbesserungen bemühen.  Damit alleine würde ich diesen Heimen per Se Überdurchschnittlichkeit  bescheinigen.  Gibt es einen besseren Qualitätsgarant, als die Haltung von
Heimleitung und Personal? So wie das System angelegt ist, steht zu befürchten, dass etwa 75 Prozent aller Heime geneigt sein werden, sich selbst besser darzustellen, wie sie sind. Man wird auf die Durchschnittswerte in anderen Heimen schauen und die Angaben so zu gestalten versuchen, dass man möglichst im oberen oder überdurchschnittlichen liegt.   Das dürfte auch keine Schwierigkeit sein, solange nicht gleichzeitig ein zuverlässiges Kontrollsystem greift.  Somit würde man, um einigermaßen zuverlässige Ergebnisse ermitteln zu können, eine Kontrolle benötigen, die in etwa so umfangreich sein müsste, wie es die MDK Prüfungen heute sind.
Dieses Ergebnis, kann man im Grunde heute schon voraussehen.  Selbstverpflichtungen haben in diesem Bereich bisher nicht gegriffen – weshalb externen Ergebnisüberprüfung überhaupt gefordert werden. Papier ist geduldig. Heute werden nicht einmal dann Konsequenzen gezogen, wenn sich Mitarbeiter oder Angehörige  beim MDK melden und falsche Angaben anzeigen. Wie will man da annehmen, dass mittels
Stichprobenkontrolle – Fehlangaben ermittelt werden können. Und falls diese ermittelt werden, welche Konsequenz hätte das für die Einrichtung?
Ein in wesentlichen Bestandteilen auf Selbstbewertung ausgerichtetes Qualitätserhebungssystem wird jeweils die Ergebnisse vortäuschen, die erwartet werden.
Diese Form der Ergebnissicherung schützt nicht vor Verbrauchertäuschung.  Es wird eine ähnliche Situation entstehen wie heute mit den Pflegenoten.  Auch hier brauchte man kein Prophet zu sein um voraussagen zu können, dass es bald nur noch mit "sehr gute" bis "gut" bewertete Heime in Deutschland gibt, obschon der Mangel an Personal und die Klagen von Mitarbeitern und Angehörigen das genaue Gegenteil bekunden. Ich sehe jetzt schon die geschäftstüchtigen Berater in der Pflegebranche mit ihren Angeboten, den Heimen zu Top Ergebnissen zu verhelfen. Berater und Prüf-Institutionen die bei der Implementierung dieses neuen Systems behilflich sind, werden am Ende die einzigen sein, die einen wirklichen Nutzen von der Einführung dieses Messinstrumentes haben."
Adelheid v. Stösser
Stellungnahme des Pflege-SHV

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