von Ralf Müller
München·Genf. Eine Rüge hat sich Deutschland vom UN-Komitee für wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte eingefangen. Vertreter der Münchener Initiative "Forum-Pflege-Aktuell" konnten die 18 Mitglieder des Unterausschusses in Genf davon überzeugen, dass es mit der Pflege in einem der reichsten Länder der Welt nach wie vor nicht zum Besten steht.
Bereits vor zehn Jahren hatte das Gremium, das aufgrund eines Übereinkommens von inzwischen 160 Ländern der Welt arbeitet, Missstände in deutschen Pflegeheimen kritisiert. Jetzt stellte der UN-Ausschuss fest, dass seither so gut wie nichts passiert sei.
"Mit tiefer Bsorgnis" nehme man zur Kenntnis, dass die Bundesrepublik "keine ausreichenden Maßnahmen unternommen hat, um die Situation älterer Menschen in Pflegeheimen zu verbessern. "Diese lebten dort wegen Personalkürzungen und unzureichender Beachtung von Pflegestandards "unter unmenschlichen Bedingungen" und erhielten "weiterhin unangemessene Pflege".
Das Votum des UN-Komitees sei für die Bundesrepublik die von anderen Staaten die Einhaltung der Menschenrechte fordere, "beschämend und blamabel", sagte der Münchener Rechtsanwalt Alexander Frey, der bei der Anhöreng in Genf das "Forum-Pflege-aktuell" vertreten hatte. Das Votum sei aber auch nicht verwunderlich, da das Auftreten der Vertreter der Bundesregierung "arrogant und von oben herab" gewesen, sei. Mit drastischen Fotos von schweren Dekubitus-Wunden ("Wundliegen") habe die Münchener Sozialpädagogin Christiane Lüst bei den UN-Vertretern Eindruck gemacht. Die Regierungsvertreter wiederum hätten nur mit formalen Rahmenbedingungen argumentiert, sagte die Vorsitzende der Münchener "Stiftung Pflegender Angehöriger" Brigitte Bührlen. Die riesige Entfernung der Politiker zu den Menschen erkläre, warum es bei der Pflege in Deutschland keine Fortschritte gebe.
Die Zustände in der Pflege haben sich nach Einschätzung den Mitglieder verschiedener Initiativen in den vergangenen Jahren verschlechtert. Heime und Zimmer seien zwar schöner, die Zahl der Menschen, die sich um die Pflegebedürftigen kümmerten, aber weniger geworden, so Bührlen. Alexander Frey zitierte Studien des Medizinischen Dienstes der Kranlenkassen und des Deutschen Instituts für Menschenrechte aus den Jahren 2006 und 2007, wonach rund 41 Prozent der Heiminsassen an Mängeln in der Ernährungs- und Flüssigkeitszufuhr leiden. In absoluten Zahlen handelt es sich hierbei um 293 000 Menschen. Bei 300 000 Heimbewohnern lagen Mängel in der Wundversorgung vor.
Der Ausschuss wird sich in fünf oder zehn Jähren erneut mit der Sachlage befassen. Bis dahin ist Deutschland als Vertragsstaat aufgefordert, "sofortige Schritte zu unternehmen, um die Situation älterer Menschen in Pflegeheimen zu verbessern". Vor allem müssten "die erforderlichen Mittel bereitgestellt werden, um Pflegepersonal zu schulen" und "mehr gründliche Inspektionen in Pflegeheimen durchzuführen".
Quelle: Weser-Kurier vom 01.06.2011 - Mit freundl. Genehmigung des Autors
UN kritisiert Missstände in deutschen Pflegeheimen
Das Forum zur Verbesserung der Situation Pflegebedürftiger e. V.
wurde 2001 gegründet, um vor dem UN-Menschenrechtsausschuss in Genf über die gravierenden Menschenrechts- verletzungen in deutschen Pflegeheimen zu berichten. Der Ausschuss hat daraufhin die menschenunwürdigen Bedingungen in deutschen Pflegeheimen sehr gerügt und die Bundes-regierung aufgefordert, dringende Maßnahmen zu ergreifen, um die Situation für die Pflegebedürftigen vor Ort zu verbessern.
(Die Empfehlungen der Vereinten Nationen, unseren Bericht über die Pflegemissstände, Presse etc. finden
Sie unter:
Misstände vor den UN
www.verhungern-im-heim.de/
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