Memmingen (Eva Maria Häfele) | 06.06.2011 00:00 Uhr
Straßenfest der Memminger Behinderten-Kontaktgruppe
Behinderte und Nichtbehinderte kommen auf Theaterplatz ins Gespräch
Im Liege-Dreirad kommt Besucher Markus Schmidt, im elektrischen Rollstuhl Stammgast Ilse Geisler und auf zwei Krücken Passantin Gudrun Seilert. Hermann Zelt vom gleichnamigen Sanitätshaus hat zum Straßenfest der Memminger Behinderten-Kontaktgruppe gleich fünf Gehhilfen mitgebracht.
Markus Schmidt, der Mann mit dem Dreirad, hatte vor sieben Jahren eine Gehirnblutung erlitten. Seither ist die linke Körperhälfte des ehemaligen Baggerfahrers gelähmt. «Braucht man einen neuen Rollstuhl oder muss das Auto behindertengerecht umbauen, will die Versicherung erst einmal nicht zahlen. Ich mache den Menschen Mut, dagegen anzukämpfen», sagt Schmidt.
Auch Gudrun Seilert, die derzeit an zwei Krücken gehen muss, will behinderten Menschen unter die Arme greifen: «Man bekommt von ihnen so viel zurück. Viele können sich nicht in die Lage von Behinderten versetzen. Kleinigkeiten, die für manch einen selbstverständlich sind, können behinderten Menschen große Probleme bereiten.»
Ilse Geisler sitzt seit 15 Jahren wegen Arthrose im Rollstuhl. «Ich war in vielen Städten, aber Memmingen ist für einen Rollstuhlfahrer die beste, die es gibt», sagt sie, einen Teller Schupfnudeln auf dem Schoß. «In den letzten Jahren hat man fast alle Gehwege abgeschrägt und der herrliche Schrannenplatz, der Weinmarkt und die Maxistraße sind mittlerweile alle barrierefrei. Ich bin wunschlos glücklich.»
Ganz so glücklich wie Ilse Geisler ist Verena Gotzes, die zweite Vorsitzende der Behinderten-Kontaktgruppe, noch nicht: «Wir brauchen mehr barrierefreie Wohnungen und Arztpraxen. Die neuen Praxen im Ärztehaus am Schrannenplatz sind zwar rollstuhlgerecht, aber das Haus verfügt nur über eine einzige Behindertentoilette.
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