Taubblind: Mitteilung per "Handschlag"
Von Birgit Jüttemeier
. Weste, T-Shirt, Jeans, schwarze Baseball-Kappe, Sonnenbrille: Äußerlich unterscheidet sich Thomas Brumann nicht von anderen Besuchern der Eisdiele. Sein Handicap sieht man ihm nicht an. Und doch ist etwas anders: Der 47-Jährige ist einer von rund 600 taubblinden Menschen in NRW. Er hat das „Usher-Syndrom“ - ist von Geburt an gehörlos und hat im Laufe seines Lebens eine starke Sehbehinderung dazu bekommen.
Sie „beschreibt“ Thomas Brumann, wie ich aussehe (vergisst dabei auch nicht meine Sommersprossen), schildert, dass ich angefangen habe, mir Notizen zu machen... Er lacht entspannt. „Eine echte Journalistin also“ antwortet er. Die Sozialpädagogin „lormt“ ihm meine Fragen in die Hand - Brumann antwortet, indem er spricht oder gebärdet. „Früher konnte ich noch gut vom Mund ablesen. Jetzt geht das nicht mehr.“ Von seinem Sehfähigkeit ist nur noch ein kleiner Ausschnitt übrig geblieben, getrübt durch Schleier und Unschärfe. „Ich sehe ungefähr wie durch ein starkes Milchglas“. Und es sei nur eine Frage der Zeit, wann er auch dieses restliche Sehvermögen verliere.
Früher, so berichtet Brumann, habe er als Bauzeichner gearbeitet, später als nichttechnischer Verwaltungsfachmann - insgesamt 25 Jahre lang. Seit fünf Jahren sei er pensioniert. Mit seiner Familie lebt er in , ist dort aufgewachsen. „Die Velener kennen mich gut.“
Wie er mit seiner Behinderung den Alltag bewältigt? Je weniger er sehen konnte, desto mehr hätten sich Körpergefühl und -wahrnehmung aufgebaut, schildert der 47-Jährige. Zum Beispiel Treppen steigen? Zuhause kein Problem. Dort kennt er sich gut aus. Notfalls nimmt er den Blindenstock zu Hilfe. Außerhalb des Hauses aber ist er auf Unterstützung angewiesen von Familie oder Taubblinden-Assistenten.
Beim Kochen helfen, Wäsche machen, staubsaugen... alltägliche Dinge, die Thomas Brumann bewältigen kann. „Aber du siehst den Staub doch nicht,“ staunt Susanne . „Man kann ihn fühlen“, antwortet Brumann. Gern trifft er sich mit Freunden, die ebenfalls das Lormen oder die taktile Gebärdensprache beherrschen.
Aber: Der vergleichsweise geringe Kontakt zur Außenwelt sei ein großes Problem. Manchmal habe er vier oder fünf Tage keinen Kontakt zu Menschen außerhalb der Familie. „Dann merke ich, dass ein Gefühl von Panik hochkommt.“
„Extrem wichtig“ ist für ihn der Computer. Die Besonderheit: Per Screenreader (Bildschirmleser) werden Bildinhalte auf eine Braillezeile übertragen und Internet-Inhalte so vereinfacht, dass sie auch Taubblinden zugänglich sind. Damit kann Brumann mailen, im Internet surfen, Zeitung lesen...
„Das ist mein Kontakt zur Außenwelt. Wenn man nicht hören und sehen kann, ist das Internet eine Möglichkeit.“ Und: Per Computer kann Brumann selbstständig Kontakt aufnehmen. Sein Handy kann er ebenfalls an eine mobile Braille-Zeile koppeln - und so simsen.
„Oft ist für taubblinde Menschen der Computer eines der wenigen Mittel, um mit der Außenwelt in Kontakt zu bleiben“, weiß Susanne . Denn auch Angehörige könnten das Problem von Einsamkeit und Isolation nur begrenzt eindämmen. „Wenn mein Computer nicht funktioniert, ist das eine große Katastrophe“, beschreibt Brumann.
Umso wichtiger sind für Menschen wie ihn Ausflüge, wie jüngst zu den Externsteinen. Dort hat ihn die Taubblinden-Assistentin Caro Fritzsche bei einer Reha-Woche im lippischen Horn-Bad Meinberg geführt. Organisiert wurde die Woche von der Fachgruppe „Taubblinde und Hörsehbehinderte“ der Blinden- und Sehbehindertenverbände in NRW. Neben Ausflügen standen auch praktische Lebenshilfen für taubblinde Menschen auf dem Programm. „Für mich war es ganz toll, so weit oben - auf dem Höhepunkt der Externsteine zu sein“, erzählt Brumann.
Taubblind: Mitteilung per "Handschlag" | BZ: alle Meldungen - Ahlener Zeitung
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen