Kellners Aufzeichnungen über den Nazi-Mord
"Vernebelt sind alle Hirne!"
Die Tagebücher Friedrich Kellners zeigen, dass vieles über die Verbrechen der Nazis gewusst werden konnte. Bis 1945 füllte er zehn Hefte mit Notizen zum Alltag in der Diktatur.
"Die Heil- und Pflegeanstalten sind zu Mordzentralen geworden." Geistig behinderte Kinder in Schwäbisch Hall, ca. 1930. Bild: dpa
Die Frage, was Deutsche wissen konnten über die Verbrechen des Nazi-Regimes, beschäftigte lange Zeit die Forschung. Mittlerweile ist klar: Jeder aufmerksame Zeitgenosse konnte fast alles wissen. Einen weiteren Beleg dafür bilden die eben veröffentlichten Tagebücher des Gerichtsbeamten Friedrich Kellner (1885-1970).
Der Sozialdemokrat Kellner war von Anfang ein Gegner des Regimes. Am 10. Juni 1941 schrieb er in sein Tagebuch: "In letzter Zeit mehren sich die Anzeigen über Todesfälle in der Heil- und Pflegeanstalt in Hadamar. Es hat den Anschein, dass unheilbare Pflegebefohlene in diese Anstalt gebracht werden.
Auch soll eine Anlage zur Einäscherung eingebaut worden sein." Sieben Wochen später hatte er Gewissheit und notierte: "Die Heil- und Pflegeanstalten sind zu Mordzentralen geworden." Den Mördern war ein Versehen passiert. Ein nach Hause entlassenes Kind wurde nicht von der Liste der Todeskandidaten gestrichen. Die Eltern erhielten eine Todesanzeige, obwohl das Kind bei ihnen lebte.
Hadamar liegt nördlich von Wiesbaden. In dieser Anstalt wurden 1940/41 über 10.000 behinderte Menschen in einer Gaskammer ermordet und in einem Krematorium verbrannt. Das "Euthanasie-Programm" nahm solche Dimensionen an, dass es nicht geheim zu halten war, ihm fielen rund 70.000 Menschen zum Opfer.
Kellners Aufzeichnungen über den Nazi-Mord : "Vernebelt sind alle Hirne!" - taz.de
02.09.2011 - 16:00
Nebulöse Versprechungen für ältere Behinderte im hessischen Herbst
© HSM
In Deutschland gingen vermehrt Menschen mit Behinderung ins Seniorenalter über und benötigten angemessene Freizeit- und Betreuungsstrukturen bis hin zu Pflegeleistungen. "Bedingt durch die Ermordung von über 200.000 Menschen mit psychischer Erkrankung sowie seelischer oder geistiger Behinderung in der Zeit des Nationalsozialismus fehlen diese Jahrgänge in den Einrichtungen der Behindertenhilfe. Erst heute erreichen die ersten Jahrgänge von Frauen und Männer mit Behinderung das Rentenalter und stellen die Einrichtungen und Dienste der Behindertenhilfe vor eine neue Herausforderung: Die Integration älter werdender und alter Menschen in die Angebotsstruktur der Eingliederungshilfe", betonte die Staatssekretärin.
kobinet-nachrichten.org/
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