15.09.2011 - 18:30 Uhr
Politik der fliegenden Hände
Martin Zierold ist von Geburt an gehörlos und kandidiert in Berlin für die Bezirksverordnetenversammlung. Damit hat erstmals ein Gehörloser einen aussichtsreichen Listenplatz für eine Kommunalwahl erhalten.
Dass das Thema Bildung Martin besonders beschäftigt, erkennt man schnell. Dann werden seine Gebärden impulsiver und seine Mimik energischer. Während seine Hände durch die Luft fliegen, formt er mit dem Mund Worte, die er selbst nicht hört. Seine Kommunikationsassistentin muss ihn mehrmals unterbrechen, weil sie mit dem Dolmetschen nicht hinterherkommt, so schnell gebärdet er. Der 26-Jährige hätte selber gern Abitur gemacht, konnte aber nicht, weil es in Deutschland kaum Schulen gibt, die Taube bilingual, also in Laut- und Gebärdensprache, unterrichten. Das will er ändern. Barrierefreie Bildung steht ganz oben auf seiner politischen Agenda.
Es ist Donnerstag, bis zur Wahl sind es noch vier Tage. Martin ist nervös. Es gibt in Deutschland weder in kommunalen, noch in Landesparlamenten taube Abgeordnete. Martin wäre der erste. Allein im österreichischen, im belgischen und im Europaparlament sitzt jeweils ein tauber Abgeordneter oder eine Abgeordnete. Politik der fliegenden Hände - jetzt.de - Macht - jetzt.de
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