2011-09-14

HWelt - Mehr als 1.200 Besucher bei Fachkongress zur Behindertenhilfe

Mehr als 1.200 Besucher bei Fachkongress zur Behindertenhilfe Drucken E-Mail
Dienstag, 13 September 2011
Angebote, die genau zu den Menschen passen: Damit lässt sich die in der UN-Behindertenrechtskonvention geforderte Inklusion von Menschen mit Behinderungen schrittweise verwirklichen. Das ist das Fazit des Fachkongresses BGW forum 2011, bei dem sich mehr als 1.200 Teilnehmer aus ganz Deutschland auf Einladung der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) vom 5. bis 7. September in Hamburg mit dem Gesundheitsschutz in der Behindertenhilfe befassten. Es zeigte sich, dass die Mitarbeitergesundheit, die Angebote für die betreuten Menschen mit Behinderungen und die Entwicklung der Einrichtungen eng zusammenhängen.

Damit Menschen mit Behinderungen gleichberechtigt an allen Lebensbereichen teilhaben können, müssen Barrieren abgebaut werden, die weit über bauliche Fragen hinausgehen. Oft ist zum Beispiel schwer verständliche Sprache ein Hindernis, wie Prof. Dr. Stephan Brandenburg, Hauptgeschäftsführer der BGW, bei einem Vortrag in Leichter Sprache deutlich machte. Auch die Gesundheit am Arbeitsplatz lasse sich nur sicherstellen, wenn Menschen mit Behinderungen systematisch einbezogen und persönlich angesprochen werden. Dazu müssten sie speziell zugeschnittene Materialien und Angebote erhalten.

Medien in Leichter Sprache

Eine Reihe entsprechender Medien und Veranstaltungen stellte die BGW – die gesetzliche Unfallversicherung für die Behindertenhilfe – auf dem Fachkongress vor. Hautschutzpläne in Leichter Sprache, Unterweisungsunterlagen, die mit spielerischen und visuellen Elementen arbeiten, sowie Fahrrad- und Fußgängertrainings tragen dazu bei, dass Werkstattbeschäftigte bei der Arbeit und auf dem Weg dorthin gesund bleiben. Als Sicherheitsbeauftragte können sie zudem selbst Verantwortung für den Arbeitsschutz übernehmen. Darüber hinaus lässt sich, wie das BGW forum ebenfalls zeigte, auch die Mobilität von Rollstuhlnutzern gezielt fördern – ebenfalls ein Schritt zur Teilhabe am beruflichen und gesellschaftlichen Leben.

Inklusion aktiv gestalten

Das Thema Inklusion spielte eine zentrale Rolle auf dem BGW forum 2011. So plädierte der Bundesbeauftragte für die Belange behinderter Menschen, Hubert Hüppe, für den verstärkten Einsatz der Leichten Sprache und forderte, Menschen mit Behinderungen gezielt als Fachleute für ihre eigenen Anliegen wahrzunehmen. Auch den Einrichtungen der Behindertenhilfe eröffneten sich neue Möglichkeiten, wenn sie sich als Akteur und nicht als Opfer der Veränderungen durch den Aufbau einer inklusiven Arbeits- und Lebenswelt verstünden und entsprechend beteiligten.

Hans-Joachim Fuchtel, parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Arbeit und Soziales, wünschte sich in seinem Vortrag viele Aktionspläne zur Umsetzung der Inklusion in Deutschland, denn allein die Diskussion bewirke schon einiges. In diesem Zusammenhang stellte die BGW auf dem Kongress ein Positionspapier der von ihr einberufenen „Denkwerkstatt: Inklusion und Werkstatt“ vor.

Neues Profil für Werkstätten gefordert

Nach Auffassung der Expertengruppe benötigen die Werkstätten für Menschen mit Behinderungen zukünftig ein neues Profil sowie veränderte rechtliche und finanzielle Rahmenbedingungen. Die Fachleute sprechen sich in ihrem Positionspapier „Empfehlungen zur 'Neuen Werkstatt'" für einen partizipativen Veränderungsprozess aus – hin zur bedarfsgerechten Dienstleistung für Menschen mit Behinderungen. Es gehe darum, innerhalb der Werkstätten die individuellen Entwicklungsmöglichkeiten für die dort Beschäftigten zu stärken, ihr Wunsch- und Wahlrecht sowie ihre gleichberechtigte Teilhabe am Arbeitsleben zu ermöglichen.

BGW-Gesundheitspreis 2011 verliehen

Das BGW forum 2011 beleuchtete in mehr als 130 Einzelveranstaltungen, wie Unternehmen und Mitarbeitende auch vor dem Hintergrund dieser Veränderungen gemeinsam einen gesunden Arbeitsalltag in der Behindertenhilfe gestalten können. Einen Höhepunkt bildete die Verleihung des BGW-Gesundheitspreises 2011. Die insgesamt vier ausgezeichneten Einrichtungen setzen Maßstäbe in Sachen Gesundheitsförderung. Der 1. Preis wurde zweimal vergeben: An das Wohnhaus Villa Gauhe der Caritas-Betriebsführungs- und Trägergesellschaft (CBT) in Eitorf nahe Bonn sowie an das Evangelische Johannesstift Behindertenhilfe gGmbH in Berlin.

Quelle: BGW – Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege

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