Seniorengenossenschaft
Essen bringen, Medikamente holen, Gardinenstange aufhängen
Seit 20 Jahren hilft die Seniorengenossenschaft Riedlingen Älteren bei den kleinen Dingen des Alltags. Das Modell funktioniert so gut, weil die Helfer sich entweder Stunden gutschreiben lassen können – oder sofort bezahlt werden.
Wer nach Riedlingen möchte, muss ein paar Kurven ertragen können. Die Kleinstadt liegt südlich der Schwäbischen Alb, die nächste Autobahnabfahrt ist etliche Kilometer entfernt. „Wir haben viel Landwirtschaft und eher wenig Industrie“, erzählt Josef Martin, „und waren deshalb sehr früh vom Strukturwandel im Agrarbereich betroffen“.Schon 1991 war für den damaligen Mitarbeiter der Landwirtschaftsverwaltung ersichtlich, dass viele Jüngere den Ort verlassen würden und viele Ältere ohne Familienanhang zurückbleiben würden. Und so gründete er mit einigen Mitstreitern die Seniorengenossenschaft Riedlingen, die wenn nicht älteste, dann auf jeden Fall erfolgreichste Seniorengenossenschaft Deutschlands.
Dienstleistungen sind der Kern des Angebotes
Sie betreibt heute eine Tagespflege für Demenz-Patienten, Begegnungsstätte und hat den Bau etlicher Seniorenwohnungen initiiert. Der Kern sind aber immer noch die Dienstleistungen, die die Bürger gegenseitig leisten. „Unsere Mitarbeiter bringen Essen oder holen die Medikamente, schrauben die Gardinenstange an oder fahren Sie zum Friseur“, erzählt Martin.
„Was die einen heute haben und die anderen brauchen, kann morgen umgekehrt sein“, heißt es auf der Webseite der Seniorengenossenschaft: „Die Zeiten des Gebens und Nehmens nutzbringend zu organisieren ist der Grundgedanke der Seniorengenossenschaft“.
Pünktlichkeit und Verbindlichkeit sind garantiert
Knapp 700 Mitglieder hat sie derzeit. Und etliche Besonderheiten, die dazu beitragen, dass die Idee in Riedlingen nun schon 20 Jahre überlebt hat. Denn die Freiwilligen werden bezahlt und die Hilfesuchenden zahlen – sehr moderate Beträge, aber trotzdem.
Josef Martin hat bewusst auf diese Variante gesetzt, um so eine stärkere Verbindlichkeit herzustellen. „Das ist sehr wichtig, denn unsere Nutzer erwarten das“, sagt er, „wenn sie um 15h zum Arzt gefahren werden müssen, wollen sie nicht, dass ein Ehrenamtlicher irgendwann um 16h30 angefahren kommt.“
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